Wer bezahlt die Open-Source-Entwicklung von PrestaShop?
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Im Februar 2026 wechselte PrestaShop mit der Übernahme durch cyber_Pixel den Eigentümer. CEO Mikołaj Król zufolge stammen rund 60 % der Einnahmen aus offiziellen Partnerzahlungen und etwa ein Drittel aus Marketplace-Käufen. Er wirbt dafür, offizielle Dienste zu nutzen und so die Entwicklung mitzufinanzieren. In der Community stehen möglichen Einnahmen für das Produkt Fragen zu kommerziellem Einfluss, Transparenz und der Zukunft von Open Source gegenüber.
Eine Übernahme mit weiterreichenden Plänen
Am 18. Februar 2026 schloss cyber_Pixel den Kauf von 100 % der Anteile an PrestaShop SA von MBE Worldwide ab. cyber_Pixel vereint die cyber_Folks-Gruppe mit Partnern von Sylius und BitBag: cyber_Folks brachte Kapital ein, während die Familienstiftungen von Mikołaj Król und Damian Murawski Unternehmensanteile in das Vorhaben einbrachten. Dadurch entstanden sowohl Eigentums- als auch operative Verbindungen zwischen drei Technologiemarken. Der offizielle Bericht von cyber_Folks beschreibt die Struktur der Transaktion.
Der neue Eigentümer stellt die Übernahme als Schritt hin zu einem europäischen E-Commerce-Ökosystem dar, das Hosting, Shop-Plattformen, Integrationen und weitere Dienste verbindet. Nach Abschluss der Transaktion gab cyber_Folks eine gemeinsame Reichweite von mehr als 700.000 Kunden und ein Bruttowarenvolumen (GMV) von rund 35 Milliarden Euro an. Diese Zahlen beziehen sich auf die gesamte Gruppe, nicht allein auf PrestaShop. Die Meldung zum Abschluss der Übernahme hebt die Möglichkeit hervor, derselben Kundschaft weitere Dienste anzubieten.
Noch vor Abschluss der Transaktion sprach cyber_Folks-CEO Jakub Dwernicki von einer langfristigen Plattform für den europäischen E-Commerce und einem Modell „Open Source + SaaS“. Händler könnten seiner Vorstellung nach mit einer offenen Lösung beginnen und später innerhalb desselben Ökosystems zu einem kostenpflichtigen Dienst wechseln. Das ist die strategische Absicht des Eigentümers, keine angekündigte Lizenzänderung und keine verpflichtende Umstellung für Kunden. Dwernickis Interview erläutert die geschäftlichen Überlegungen hinter dem Zusammenschluss.
Wer finanziert die Entwicklung heute?
In einem Schreiben vom 1. September 2026 erklärte der neue CEO Mikołaj Król, dass etwa 60 % der Unternehmenseinnahmen aus Zahlungen über offizielle Partner stammten, ungefähr ein Drittel aus Käufen im Marketplace und der Rest aus anderen Kanälen und Marketing. Den Großteil der Partnererlöse investiere das Unternehmen nach seinen Angaben wieder in das Produkt. Diese Zahlen stammen von der Geschäftsführung und sind keine separat geprüfte Aufschlüsselung der Einnahmen. Der Brief des CEO erklärt ausführlicher, wie das Unternehmen die weitere Entwicklung finanzieren möchte.
Król zufolge stammten 61 % der bisherigen Code-Beiträge vom PrestaShop-Team; 2025 seien es bereits 72 % gewesen. Seiner Ansicht nach ist die Entwicklung auf ein bezahltes Team angewiesen und nicht allein auf freiwillige Beiträge. Diese Zahlen zeigen jedoch weder die Bedeutung einzelner Änderungen noch, wer die Prioritäten festlegt. Ein Open-Source-Projekt braucht auch eine nachvollziehbare Roadmap, offene Wege für externe Beitragende und eine echte Möglichkeit, seine Richtung mitzugestalten. Einnahmen sind wichtig – ebenso der Umgang des Unternehmens mit der Community.
Die Empfehlung, offizielle Zahlungsdienste zu nutzen oder Module über den Marketplace zu kaufen, kann die Entwicklung mitfinanzieren. PrestaShop möchte Partnermodule deutlicher kennzeichnen und bittet Nutzer, CloudSync zu aktivieren. Damit lässt sich die Nutzung des Produkts erfassen und Partnerumsatz zuordnen. Das könnte die Auswahl von Erweiterungen erleichtern, wirft aber auch Fragen auf: Sind Empfehlungen klar als solche gekennzeichnet, und bleiben Alternativen genauso leicht zugänglich? Unterstützung durch die Community lässt sich nicht verlangen; langfristig entsteht sie durch Transparenz.
In seinem Schreiben bestätigte Król außerdem eine Umstrukturierung in Frankreich und die Entlassung einer erheblichen Zahl von Beschäftigten, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Auch das gehört zur aktuellen Lage: Das Unternehmen kündigt Investitionen in das Produkt an und verkleinert zugleich sein Team. Entwickler und Agenturen werden beobachten wollen, wie schnell Fehler behoben und Versionen veröffentlicht werden und wie die Kommunikation mit Beitragenden läuft. Aus öffentlichen Aussagen allein lässt sich nicht erkennen, wie sich die Budgets für einzelne Projektbereiche verändert haben.
Stimmen aus der Community und von Partnern
Eine Reddit-Diskussion nach Veröffentlichung des Briefes zeigt sowohl Zustimmung als auch Bedenken, ist aber klein und nicht repräsentativ für die gesamte Community. Ein Entwickler begrüßte die Offenlegung der Einnahmequellen und schrieb, er werde sich die Zahlungslösung von PrestaShop ansehen. Zugleich hoffe er, das Projekt werde nicht „zu stark auf Gewinn ausgerichtet“, und räumte ein, dass das Unternehmen wirtschaftlich tragfähig bleiben müsse. Ein weiterer Kommentator nannte es schwierig, die Balance zwischen Rentabilität und Open-Source-Software zu finden. Der Reddit-Beitrag macht eine Spannung sichtbar, die der Brief nicht auflöst.
Sylius und BitBag sind Partner und Miteigentümer; ihre Aussagen spiegeln daher auch die Interessen der neuen Gruppe wider. Diese ordnet PrestaShop kleinen und mittleren Händlern und Sylius größeren, komplexeren Projekten zu. Zugleich erwartet sie gemeinsame technische und geschäftliche Vorteile. Für Agenturen könnte das breitere Angebot mehr Integrationen und Aufträge bedeuten. Entscheidend wird sein, ob die Plattformen eigenständige Roadmaps behalten und ob Dienste aus dem Umfeld der Eigentümer nicht allein aufgrund der Eigentumsverhältnisse bevorzugt werden.
Ein kommerzieller Eigentümer allein sagt noch nicht aus, wie offen eine Plattform in der Praxis bleibt. Entscheidend sind konkrete Punkte: Kennzeichnung von Partnerangeboten, die freie Wahl anderer Dienste, eine öffentliche Roadmap, der Umgang mit externen Beiträgen und klare Regeln für Nutzerdaten. Zahlungen und Marketplace können die Entwicklung finanzieren, doch die Unterstützung der Community ist nicht selbstverständlich. Wenn Nutzer nachvollziehen können, wohin die Einnahmen fließen und wie das Produkt davon profitiert, kann das Modell funktionieren. Wenn Empfehlungen kostenpflichtiger Dienste für eine vollwertige Nutzung nötig erscheinen, lässt sich Vertrauen deutlich schwerer erhalten.
Quellen
Abschluss der Transaktion – cyber_Folks
Übernahme und Kennzahlen der Gruppe – cyber_Folks
Interview mit Jakub Dwernicki – Strefa Inwestorów